Die Doppelehe des Rodensteiners

Grabplatte von Philipp III von Rodenstein mit seinen zwei Frauen
Bild: Bernd Sykora

In der Laurentius-Kirche ist Philipp III von Rodenstein in einem beeindruckenden Grabdenkmal mit zwei Frauen abgebildet. Aufgrund dieser ungewöhnliche Darstellung fragten sich wohl die Gottesdienstbesucher, "War dieser Rodensteiner vielleicht mit zwei Frauen gleichzeitig verheiratet?" Der Volksmund beantwortete dies mit folgender Geschichte:

 

Philipp von Rodenstein langweilte sich im Odenwald und entschied sich, seine Burg mit Frau und Familie zu verlassen und zusammen mit anderen Gläubigen auf Kreuzzug zu gehen.  Sie wollten Jerusalem, die von Ungläubigen besetzt wurde zurückerobern.  Im Heiligen Land angekommen, wurden sie jedoch von einem Heer von Sarazenern konfrontiert und besiegt.  Philipp wurde gefangen genommen und für viele Jahre in einen Kerker geworfen. Er glaubte sich schon dem Ende nahe, da machte ihm die Tochter des Kerkermeisters, die ihm täglich sein Essen gebracht und sich in ihn verliebt hatte, ein Angebot. Wenn er sie mit in seine Heimat nehmen und dort heiraten würde, würde sie ihn freilassen und mit ihm fliehen. Lange überlegte er seine Optionen. Schließlich kam er zu der Überzeugung, dass seine Frau wohl ohnehin im Glauben, dass er im Kampf gefallen sei, vor Trauer gestorben war, und willigte in den Vorschlag der jungen Sarazenin ein. Sie flohen zusammen zurück in den Odenwald, wo ihn allerdings zu seiner Überraschung seine quicklebendige Ehefrau begrüßte. Nun war guter Rat teuer: Seine Frau war zwar froh ihn wieder zu sehen, und sie verstand sich mit der Sarazenin auf Anhieb gut. Der Pfarrer jedoch weigerte sich ihn mit einer weiteren Frau zu verheiraten, denn die Kirche erlaube keine Doppelehe. Auf Anfrage beim Bischoff jedoch entschied dieser, dass er Philipp auf Grund seiner Kreuzfahrt und Gefängnisleiden in diesem einzigartigen Fall erlauben würde, auch die zweite Frau zu ehelichen. Da war der Jubel groß, die Hochzeit wurde gefeiert und die beiden Ehefrauen blieben Freundinnen bis zu ihrem Lebensende. Nach dem Tode wurden sie zu beiden Seiten Philipps begraben, wie es auf dem Grabdenkmal in der Kirche zu sehen ist.

 

Um der Wahrheit Ehre zu geben, sei hier anzumerken, dass Philipp nie auf Kreuzzug gegangen war, und dass er die zweite Frau nach dem Tode der ersten geehelicht hatte.