Vortrag von Antje Vollmer: Aberglaube, Teufelswerk und Hexenverfolgung im Odenwald

Hexenverbrennung im 16. Jh.
Abb. aus Wickiana (Sammlung). Wick, Zentralbibl. Zürich) D. Guggenbühl: Hexen, Sandoz Bull 24 (1971) S. 36

Antje Vollmer berichtete, dass Hexenverfolgungen in ganz Europa etwa zwischen 1350 und 1700 stattfanden und in der letzten Hälfte des 16. Jahrhunderts ihren Höhepunkt erreichten. Insgesamt wird geschätzt, dass in Europa im Zuge der Hexenverfolgung drei Millionen Menschen der Prozess gemacht wurde, wobei 40.000 bis 60.000 Betroffene hingerichtet wurden. Man weiß, dass in den Gebieten des heutigen Hessen rund 2000 Menschen als Hexen getötet, meist auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurden.

 

 

 

Das Spätmittelalter und die beginnende Neuzeit war eine Zeit, in der das Volk noch an vorchristlich-germanische Deutungen von Schadenszauber geglaubt hatte; d.h., dass Personen durch ihre magischen Kräfte anderen Menschen Schaden zufügen konnten. Man bezeichnete sie als Hexen. Abgeleitet ist dieser Begriff vom althochdeutschen "hagzissa", der Zaunreiterin, einem dämonischen, zauberkundigen Wesen, das Mensch und Tier Böses zufügt. Die Aussage des Alten Testaments „Die Zauberinnen sollst du nicht am Leben lassen“ hatten für viele Christen Gültigkeit, obwohl nur ein einziger Papst, Innozenz VIII, dies unterstützte. Hexen und Schadzauberer wurden für persönliches Unglück, für Seuchen und andere Krisen verantwortlich gemacht. Die großen Wellen der Hexenverfolgung in Miltenberg, Dieburg und Amorbach wurden immer von Wetterextremen eingeleitet.

 

 

 

Daher hatten breite Bevölkerungskreisen ein Interesse an der Verfolgung von Hexen, so dass Hexenverfolgungen aktiv vom Volk eingefordert und praktiziert wurden - teilweise gegen den Willen der Obrigkeit. Auch war die Hexenverfolgung keine Erfindung der Kirche. Hexenprozesse waren weltliche Prozesse. Missgunst, Neid, Intoleranz, Hass waren die Triebfedern. Niemand war sicher, jeder konnte in den Verdacht geraten, mit dem Teufel im Bunde zu stehen und nachts auf Besen zu fliegen.

 

Obwohl die Kirche die Hexenprozesse nicht vorantrieb, war dennoch, der Verfasser des sog. „Hexenhammers“ ein Dominikaner. Frau Vollmer trug einige Beispiele aus diesem Buch vor, in dem drastisch definiert wird, was unter einer Hexe zu verstehen sei, in dem magische Praktiken beschrieben und schließlich detaillierte Regeln für die Hexenprozesse gegeben werden. Ein wichtiges Element des Hexenprozesses war das Geständnis, was in der Regel durch grausames Foltern erreicht wurde. Hierdurch wurden meistens mehr Menschen beschuldigt, um die eigene Haut vielleicht noch zu retten.

 

Im zweiten Teil ihres Vortrages befasste sich Antje Vollmer mit Hexenprozessen im Bereich des Odenwaldes. Es gab verschiedene Orte mit einer Häufung von Hexenverbrennungen. In Amorbach sind für 1593 die ersten Verbrennungen belegt: Zehn Frauen starben in diesem Jahr in den Flammen. Im Erbacher Amt Wildenstein mit dem Centort Kleinheubach wurden über 40 Menschen zum Tode verurteilt. In der reichen Stadt Miltenberg fielen viele bisher angesehene Bürger, wie z.B. der Riesenwirt, Lorenz Beck, 1627 dem Hexenwahn zum Opfer. Der Neid seiner Mitbürger führte zu seiner Anzeige. Dieburg war ein weiterer „Hotspot“ im Odenwald. In Fränkisch-Crumbach ging es dem Säuhännes 1606 und dem Stein Ebert 1612 an den Kragen. Beide hatten wohl auch andere Verbrechen begangen, u. a. hatte Säuhännes zwei Mägde geschwängert.

 

 

 

Es waren drastische Berichte, die Antje Vollmer beschrieb und die die Zuhörer schaudern ließen. Dennoch, man müsse sich im Klaren sein, zu welchen Untaten der Mensch auch heutzutage noch fähig ist, erinnerte die Referentin. Anonyme Denunziation, Verfolgung von Randgruppen und Minderheiten seien auch im Zeitalter der modernen Medien keineswegs ausgestorben. So mahnte die Referentin zu Wachsamkeit, damit die Hexenjagd keine Auferstehung feiert.