Rückblick auf Trommelabend mit Helma Eller vom 22.8.2019

 

Trommelgeschichten und Jam-Session

 

Helma Eller schreitet langsam und bestimmt, in einem weißen Umhang verhüllt und (wie wir später erfahren) eine Rahmentrommel schlagend, durch den abgedunkelten Gewölbekeller des Rodensteinmuseums. Die Zuschauer/innen erahnen hier den rituellen Einsatz von Trommeln. Der Rhythmus ahmt den menschlichen Herzschlag nach - eine Annäherung an schamanisches, meditatives Trommeln.

 

Helma Eller hatte mehr als 25 verschiedene Trommeln mitgebracht und zeigte deren Vielfalt und Einsatzreichtum. Sie zeigte Trommeln mit nur einer bespannten Seite und „doppelköpfige Trommeln“ (beidseitig bespannt). Sie können mit Naturhaut (Ziege, Rind, Pferd u.a.) oder mit Kunststoff bespannt sein. 

 

Trommeln gehören zu den ältesten Instrumenten.  Die Rahmentrommel,  besteht aus einem mit Ziegenhaut bespannten Holzring, der manchmal auch mit Schellen bestückt ist. Sie wird mit der Hand oder mit einem Schlegel gespielt und ist überall auf der Welt verbreitet. Auf den verschiedenen Kontinenten entwickelten sich zudem sehr unterschiedliche Trommeltypen. Sie werden für rituelle Zwecke benutzt, zum Heilen, begleiten Übergänge (Geburten und Sterbeprozesse), um Menschen zum Tanzen zu animieren und konzertant. „Die Trommel rühren“ war auch in unserer Kultur üblich um Menschen zusammen zu rufen und dann Nachrichten zu verkünden.

In unserer Region wurde die Trommel mitsamt den heidnischen Bräuchen während der Inqiusition verboten. Weiter aktiv genutzt wurden dennoch bei uns Landsknechttrommeln (siehe Foto) im Krieg, mit deren Signale Truppen gelenkt wurden und Feinden Furcht eingejagt wurde.

Auch Frauen wurde in einigen Kulturen das Trommeln verboten. Die Sklaven in Süd- und Nordamerika durften nicht trommeln, sie nutzten darum wohl erst im Verborgenen Fässer (Conga) und Kisten (Cajon) und entwickelten daraus Trommeln.

Aus Afrika ist die Djembé nach Europa gekommen und hier seit dem letzten Jahrhundert verbreitet. Aus Südamerika die Conga (Tumbadora), die in der Pop- und Jazzmusik inzwischen etabliert ist.

Trommeln werden in Orchestern, in Spielmannszügen und in fast allen Musikrichtungen eingesetzt ebenso in der Musiktherapie.

Helmas Trommeln, die mit Naturhäuten bespannt sind, blieben bis zur Vorstellung in den Transportsäcken verpackt um sie möglichst lange trocken zu halten. Die Luftfeuchtigkeit im Kellergewölbe war recht hoch und die Natur-Trommelhäute nehmen Feuchtigkeit auf, was die Häute dehnt und deren Ton tiefer macht.

Zum Schluss spielte Helma zusammen mit einer Schülerin mehrstimmige Rhythmen und zeigte, wie sich verschiedene Trommelklänge ergänzen. Dies regte einige Gäste, zum Ende der Veranstaltung an ganz spontan im Quartett ihre Trommelkünste an den Instrumenten auszuprobieren. 

Es war eine sehr gelungene Veranstaltung, mit vielen unerwarteten Informationen über die Vielfalt der Trommeln. Diejenigen, die sich noch nie mit dieser Instrumentengruppe beschäftigt hatten, erahnten, dass die Kunst des so einfach anmutenden Spiels, doch eine Menge Professionalität benötigt.